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Schweden und seine Reichstagswahl

13. September 2026

(1) Die Verschiebungen in den Anteilen zwischen den Parteien sind in Schweden von Wahl zu Wahl üblicher Weise sehr gering – Zeichen für die ziemlich hohe Stabilität dieses Landes. Aber für einzelne Parteien summieren sie sich, für die Sozialdemokratie vor allem nach Unten. Trotzdem muss man auch bei den folgenden Überlegungen die Kirche im Dorf lassen.

(2) Unter dieser Perspektive gesehen hat die Sozialdemokratie stark verloren, -2,2 Punkte, und hält nun bei 28,1 %. Das ist ihr schlechtestes Ergebnis seit 1908. Doch damals wurde gerade erst das allgemeine Männerwahlrecht eingeführt, und auch die Stimmen galten noch nicht gleich viel. Schon 1911 erreichte sie 28,5 % und damit mehr als heute. Wenn also zu lesen ist, die Sozialdemokratie hätte die Wahl „gewonnen“, ist dies Propaganda der mainstream-Presse.

(3) Noch stärker verloren haben die Schweden-Demokraten, um -2,9 Punkte, auf 17,6 %. Auch hier bestätigt sich somit: Rechtspopulisten an der Macht werden entzaubert. Auch in Schweden haben sie versucht, sich als im wesentlichen gewöhnliche Konservative zu profilieren. Sie hatten das „Glück“, dass sie nicht Teil der Regierung waren, sondern sie nur unterstützten. Und sie hatten das Glück, dass die Sozialdemokraten ihren Wahlkampf vor allem gegen sie führten, was sie enorm aufwertete. Diese Strategie eines Anti-Schweden-Demokraten-Wahlkampf war eine typische, eine riesige sozialdemokratische Dummheit, bewertet in ihrem eigenen taktischen Interesse.

(4) Die Venstre, eine linkssozialdemokratische (oder linksgrüne?) Partei, hat sich gegen die NATO positioniert. Sie hat +1,4 Punkte gewonnen (8,2 %). Trotzdem muss man sagen: Das Ergebnis ist bescheiden.

(5) Die „echten“ Grünen bleiben Grüne: Sie waren einmal gegen die NATO; nun wollen sie „kritisch“ innerhalb der NATO verbleiben. Doch auch sie haben +1 Punkt gewonnen (6,1 %). Damit könnte sich vielleicht sogar eine sozialdemokratisch geführte Regierung unter der Ministerpräsidentin Andersson, der (zweiten) Totengräberin der Sozialdemokratie, ausgehen.

Noch zu Andersson: Sie war schon einmal für einige Monate Ministerpräsidentin und schloss Schweden an die NATO an. Als Ministerpräsidentin war sie mit einer Minderheit von Stimmen gegen eine ziemlich starke (aber nicht absolute) Mehrheit gewählt worden – was in diesem etwas perversen politischen System ausreichte. Vorher hatte sie sich als neoliberale Finanzministerin profiliert.

(6) Zusammenfassen lässt sich: Noch hält das politische System in diesem Land. Es ist von Grund auf transformistisch und auf Konsens ausgerichtet, sodass sogar die neoliberalen Konservativen noch weitgehend transformistisch blieben. Aber sonderlich sicher ist die Situation denn doch nicht. Die Schweden-Demokraten haben ihren Durchbruch schon hinter sich, und weitgehend auch ihre Zähmung zur zweiten konservativen Partei. Und sie sind nicht zerfallen – wie seinerzeit zweimal die FPÖ hierzulande. Die große Frage ist: Was kommt nach ihnen?

Zur Information noch einige ganz wenige Daten: 2025 kam Schweden auf ein Pro-Kopf-Produkt von 63.133 US-$ (zum Vergleich: Österreich weist 62.930 auf). Doch das Preis-Niveau ist ziemlich hoch. In Kaufkraft-Paritäten ausgedrückt, macht der Pro-Kopf-Wert 72.529 aus, in Österreich jedoch 76.778. Wenn wir allerdings die realen Wachstums-Raten seit 2007, d. h. dem Jahr vor der Schulden- und Währungskrise nehmen, dann kann Schweden auf ein deutlich ansehnlicheres Wachstum verweisen, nämlich 1,44 % p. a. (gesamtes BIP), während Österreich bei 0,9 % p. a. hängen blieb. Das ist nicht zuletzt auf eine etwas vernünftigere Politik dort während des Corona-Wahnsinns zurückzuführen. Und Schweden ist nicht Teil der EU-Währungsunion! Es hat darüber 2003 eine Volksabstimmung gegeben: 56 % haben sich dagegen entschieden – aber die Sozialdemokratie mit dem damaligen Ministerpräsidenten Persson hatte sich dafür mächtig ins Zeug gelegt. Magdalena Andersson ist natürlich auch ganz dafür.

Auch die Ungleichheit in der Bevölkerung ist noch eher niedrig. Allerdings gibt es enorm viele Superreiche. Die möglicherweise zukünftige Ministerpräsidentin aber hat sich im Wahlkampf strikt gegen Erbschafts- oder Vermögenssteuern ausgesprochen – echt sozialdemokratisch. Noch vor wenigen Jahrzehnten hat die Sozialdemokratie Wahlkampf gemacht mit dem Slogan: Die 200 Familien beherrschen Schweden – gebt ihnen nicht auch noch die Regierung. Heute sind es nicht mehr 200, und sie kommen inzwischen, u. a. dank EU, auch zu einem guten Teil aus dem Ausland.